Wir sind irgendwie anders – und wir sind genau richtig, so wie wir sind.
Menschen mit Depressionen versuchen alles, um am Leben teilzuhaben.
Wir muten uns oft zu viel zu – und genau daran brechen wir.
Von einem Moment auf den nächsten ist der Tank leer.
Wir lachen, obwohl wir eigentlich weinen wollen.
Und wenn wir uns zurückziehen, heißt es:
„Jetzt hab dich nicht so.“
„Lach doch mal!“
„Das wird schon, du musst nur kämpfen.“
Depressionen sind Geister mit schwerem Gewicht…
Sie rauben uns unsere Energie und auch wenn wir
aufstehen, uns anziehen und rausgehen, fällt es schwer.
Alles ist zu viel, zu laut, zu hektisch.
Oder die andere Seite ist, dass wir völlig überdreht sind
und uns ablenken
von diesem Gewicht, das auf uns lastet!
Wir rasen durch das Leben, ohne zu merken das wir vor
den Geistern und uns selbst davonlaufen.
Das endet dann meistens in totaler Erschöpfung und wir
finden uns im Bett oder auf dem Sofa wieder.
Zu müde und leer, um zu denken oder etwas zu
verändern.
Unser Kopf, unsere Gedanken kommen mit Vorschlägen
daher, für die wir gar nicht die Kraft haben.
Der innere Kritiker läuft oft auf Hochtouren und lädt damit
noch mehr Gewicht auf uns.
Unsere Gedanken – Aus diesem Karussell rauszukommen,
ist schwierig.
Prägungen aus unserer Kindheit, Sätze die sich als
fester Glauben manifestiert haben.
Verletzungen, die uns traumatisiert haben und die sich nur
mit viel Kraft und Mut auflösen lassen.
Schritte vor und zurück und immer dieses “Ich muss mich zusammenreißen!”
Wenn wir lernen, etwas mehr für uns zu sorgen, kleine
Dinge zu verändern oder klar Nein zu sagen, weil es eben
nicht mehr geht, werden wir oft nicht verstanden. Wir sind
nicht so sind wie Andere uns gerne hätten.
Aber diese Schritte, Veränderungen sind wichtig für uns
um resilient gegen unsere inneren Stimmen und den
Stimmen von außen zu werden.
In der Dunkelheit ist es einsam und wir haben nicht die
Kraft unserem Umfeld zu geben, was wir gerne möchten.
Wir leben mit Vorurteilen, weil wir nicht verstanden werden.
Wir verstehen uns ja selbst manchmal nicht und wollen dem
Ganzen ein Ende setzen.
Wir sind müde und manches Mal ist der Gedanke uns hinzulegen und nicht
mehr aufzustehen sehr verlockend.
AUFGEBEN IST KEINE OPTION!
Du hast bist hierhin gelesen.
Lass uns weiter gehen...
Denn schau mal...

Wenn wir mutig sind
und über den Schatten von Scham, nicht genug zu sein, springen.
Die Lichtblicke sind die Menschen, die sich die Zeit nehmen.
Zeit zuzuhören.
Zeit zu verstehen.
Zeit uns Mitgefühl für genau den Moment, das Gefühl zu schenken, in dem wir gerade sind.
Wenn wir erkennen, das wir es nicht alleine schaffen müssen.
Wenn wir sichtbar werden und uns Unterstützung holen.

Ich bin keine Therapeutin.
Und ich habe keine Antworten für alles.
Nur meinen Weg.
Denn trotz aller Positivität und Kraft kommen sie immer wieder:
die vertrauten Momente.
Dunkelheit.
Motivationslosigkeit.
Antriebslosigkeit.
Tiefe Müdigkeit.
Es gibt Tage, da will ich nicht aufstehen.
Mich nicht waschen.
Mich nicht „zivilisieren“.
Ich denke zu viel –
oder gar nicht mehr, weil ich einfach zu müde bin.
Da ist diese Seite in mir, die Verantwortung abgeben will.
Die flüstert:
„Mach das weg.“
Ich betrachte das dunkle Loch, das sich in mir auftut.
Gehe eine Runde darum herum.
Lausche den Stimmen.
Und wenn es ganz still wird, ist sie da.
Diese eine Stimme, die mir seit Jahrzehnten zuflüstert:
„Du bist stärker als alles, was war und ist.“
Ich lebe seit vielen Jahren mit depressiven Phasen.
Und ich habe gelernt, sie anzunehmen.
Ich habe kleine, feine Werkzeuge gesammelt.
Helferlein, die mich tragen.
Nicht zu funktionieren.
Nicht ständig über meine Grenzen zu gehen.
(Äh … klappt nicht immer.)
Aber ich bin nicht mehr so streng mit mir. 🙂
Ich halte inne und frage mich:
Was brauche ich gerade?
Ich lerne, darüber zu sprechen,
was mich bewegt,
was ich fühle
und was ich brauche.
Ich höre auf meine Zwischentöne.
Mache ich mir etwas vor?
Lenke ich mich ab?
Was kann ich
jetzt, in diesem Moment, für mich tun?
Wofür bin ich dankbar?
Worauf bin ich stolz?
Was fühle ich –
und wo in meinem Körper spüre ich es?
Und dann mache ich sie:
diese kleinen Schritte.
Ich wasche mich.
Putze meine Zähne.
Räume das Geschirr weg.
Mache mir etwas zu essen.
Mache mein Bett.
Schreibe meine Gedanken auf.
Rede darüber.
Das reicht oft schon, um meinen Tank ein wenig zu füllen.
Und abends im Bett erinnere ich mich daran:
Ich bin gegangen.
Vielleicht keine riesigen, weltbewegenden Schritte –
aber Schritte, die
meine
Welt bewegt haben.
Ich habe gelernt, mich zu beobachten.
Wenn Motivation und Antrieb fehlen,
erledige ich die kleinen Dinge
und verschiebe die großen.
Über die Jahre habe ich gelernt, meine Depressionen liebevoller zu betrachten.
Wie einen Gast.
Wenn ich fürsorglich mit mir bin,
auf meinen Körper höre
und akzeptiere, dass es gerade so ist –
statt dagegen anzukämpfen –
wird es leichter.
Am Ende des Tages stelle ich mir zwei Fragen:
Was habe ich heute geschafft?
Nicht die großen Erfolge zählen.
Sondern die kleinen.
Zum Beispiel:
Ich habe mich gewaschen und angezogen.
Ich habe etwas gegessen.
Ich habe mein Bett gemacht.
Und wofür bin ich dankbar?
Es gibt immer etwas.
Auch wenn es noch so klein ist.
Danke, dass ich heute aufgewacht bin.
Danke für die Sonne.
Für den Vogelgesang.
Für die Natur, die Blumen, die Farben.
Dabei helfen mir meine Sinne:
sehen,
riechen,
hören,
schmecken,
tasten,
fühlen,
meinen Körper wahrnehmen.
Ganz bewusst raus aus dem benebelten Kopf.
Zurück ins Jetzt.
Und noch etwas habe ich auf meiner Reise gelernt:
Stolz zu sein.
Auf jedes Wort.
Jede Tat.
Und jeden einzelnen Schritt.
Text und Bilder: Claudia Kaleita Moments













