Hallo, neuer Tag… Schön, dass du da bist…
Seit Jahren begrüße ich so den neuen Tag.
Und seit meiner Erkrankung bewusster, mit tiefer Dankbarkeit und Demut.
Dankbar für die Möglichkeiten, die Momente, Erfahrungen und Erlebnisse, die mir der Tag bringen kann.
Ich bin in meinem kuscheligen Bett aufgewacht.
Mein Herz schlägt kräftig und ruhig.
Ich habe ein Dach über dem Kopf, eine schöne gemütliche Wohnung
und meinen Morgenkaffee auf dem Balkon.
Ja, da sitze ich jeden sonnigen, regnerischen und frostigen Morgen.
Ich habe alles!
Wo will sie mit ihren Gedanken hin, fragst du dich vielleicht?
Es ist der 3.1.2026 und seit Tagen geistern Gedanken in meinem Kopf herum,
und die lasse ich mal fließen:
Warum wünschen wir ein frohes, gesundes… neues Jahr?
Auch ich habe meiner Familie und Freunden ein frohes – happy new year – gewünscht.
Es ist doch nur ein Datum in einem Kalender mit 365 Tagen.
Erfunden von Menschen – weil wir solche Anhaltspunkte brauchen?!
Oder um mal den Geburtstag zu nehmen.
Ich meine, ich wache am Morgen danach ja auch nicht auf und fühle mich älter.
Du etwa?!
Dieses Mal ist etwas anders.
Ich bin anders.
Es begann schon damit, dass ich Silvester (und schon Tage vorher)
auf meinem besagten Balkon saß und traurig war.
Ich dachte an jede kleine Seele, die leidet, bis hin zum Herzstillstand.
Ich fragte mich, warum wir dieses Ritual brauchen.
Warum wünschen wir Menschen nicht jeden Tag einen frohen Tag?
Warum lassen wir nicht jeden Tag abends los und werden am nächsten Morgen neu geboren?
Wir haben doch alle Möglichkeiten dazu.
Dann habe ich mich gefragt, warum Neujahrsvorsätze – und hier schreibe ich nur von mir –
nicht funktionieren.
Es fühlte sich nie stimmig an.
Jetzt wird mir klar, dass mit solchen vorgefertigten Ritualen
ein Kollektiv geschaffen werden soll.
Gesprächsstoff.
Was hast du dir für das neue Jahr vorgenommen?
Was wirst du im neuen Jahr verändern – verbessern – weglassen - drücken?
Verstehe mich nicht falsch –
wenn es dir gut tut, dann mache es so.
Ich bin raus.
Haben wir immer schon so gemacht.
Du kannst doch nicht…
Doch, ich kann.
Entscheiden, wie ich leben will.
Wie viel Druck ich mir mache und wo ich einfach bin.
Mein Leben lang war mein Bestreben,
für alle anderen da zu sein,
nur nicht für mich.
Jede Weiterbildung, jedes Buch, jeder Podcast, jeder Workshop
ist begleitet von dem Gedanken:
Du bist noch nicht genug.
Du musst dieses und jenes, um zu heilen.
Vor einigen Wochen war diese leise Stimme, die sagte:
Ich bin bereit weiterzugehen.
Die Vergangenheit als das zu nehmen, was
sie ist – vergangen.
Jeden Tag als Geschenk zu nehmen.
Bewusst zu sein.
Kopf, kommst du mit!?
25 Jahre und ganz intensiv in den letzten 7 Jahren
zu wühlen, zu reflektieren…
Ich habe meinen Schmerz zugelassen.
Darauf bin ich stolz.
Ich habe Erkenntnisse mitgenommen und Verknüpfungen erkannt.
Schaue mir meine Angst an.
Ja, da war viel.
Esfür mich ist eine Entscheidung –
hier und jetzt sein zu wollen.
Mein Körper unterstützt mich dabei - mir Auszeiten verordnet.
Auf dem Weg der Erkenntnis wird es noch Tränen geben.
Das ist okay.
Sie erinnern mich daran, was weh tat und was war.
Meine Vergangenheit, das Erlebte, hat mich stark gemacht.
Das zu erkennen war mein größter, friedvollster Aha-Moment.
Und dann die Frage – definiert sie mich heute noch?
Viel wichtiger ist doch:
Was will ich für heute?
Wie gestalte ich meinen Tag?
Wie sehr definiere ich mich noch über das Außen?
Wie sehr brauche ich noch Bestätigung, gut genug zu sein?
Welche Menschen, Begegnungen nähren mich?
Welche nicht?
Und die wichtigste Frage von allen – was tue ich für mein Glück?
Seit Monaten frage ich mich, warum ich so müde bin.
Die Antwort liegt in mir.
Zu mir zurückkommen.
Ich habe meine seelische Arbeit gemacht.
Jetzt ist Zeit für Pause.
Leben, was ich erkannt habe und was ich fühle.
Sein.
Es gibt bestimmt noch Themen, Dinge, die auftauchen und ich verändern kann.
Aber eines ist mir wichtig:
Ein Datum wird mich nicht mehr definieren.

Bild und Text sind urheberrechtlich geschützt: Claudia Kaleita









