Alle Zeit der Welt
Als Kind war die Zeit nicht wichtig.
Ich wusste nicht mal, was sie bedeutete – Zeit, ein Wort, das Erwachsene oft gebrauchten.
Und das sie sichtlich beschäftigte.
Als ich älter wurde, begriff ich langsam, was Zeit ist.
Der Unterricht beginnt um 8 Uhr.
Du musst jetzt losgehen.
Die Pause war um 9:30.
Unverkennbar am Gong, der durch die Schule hallte.
Schulschluss hatte eine Uhrzeit.
Freizeit hatte eine Zeit.
Sei pünktlich um 18 Uhr zu Hause.
Alle Zeit der Welt war getaktet.
Als Erwachsene ging es so weiter.
Pünktlich am Ausbildungsplatz.
Pünktlich am Arbeitsplatz.
Verbunden mit der Zeit war das unangenehme Gefühl, zu spät zu kommen.
Ein schlechtes Gewissen machte sich breit.
Gleichgültigkeit gab es in meinem Zeit-wissen nicht.
Ein Urlaub wurde zeitlich geplant.
Vorfreude manchmal auf Knopfdruck.
Jetzt ist Zeit egal!
Aber war sie das wirklich?
Ausschlafen – ein spätes Frühstück war der Ausstieg aus dem zeitlich
getakteten Alltag.
Einfach am Strand liegen und ein Buch lesen, bis die Augen müde wurden – eine
persönliche Auszeit.
Auf dem Meer treiben – die Ohren unter Wasser.
Genuss-Zeit.
Entscheidungen getroffen denke ich:
„Ich habe alle Zeit der Welt.“
Man lässt sich Zeit – genießt den Moment – das Jetzt.
Langsamer – bedächtiger, ruhiger werden.
Bewusster wahrnehmen – anhalten – erleben – erfahren –
erlernen – er-lehren - ver-lehren.
Ich dachte, ich habe sie, bis ein Moment in der Zeit mir die Sicherheit – die Illusion aller Zeit – genommen hat.
In aller Zeit der Welt war da lähmende Angst – bemühte Positivität –
Machen und Tun.
Und ein leerer Raum – mehr nicht.
Alle Zeit der Welt schrumpft zu Momenten – Entscheidungen und der Zeit, umzudenken.
Alle Zeit der Welt kann in jedem Moment unterbrechen oder gar erlöschen.
Eine Zeit, die mich lehrte – jeden Abend zu sterben, am Morgen aufzuwachen.
Achtsamer – reflektierend – ehrlicher mit mir.
Was wirklich da ist, sind die Sekunden,
die Minute.
Das Jetzt.
Text ist urheberrechtlich geschützt: Claudia Kaleita









